Rezepte
Schreibe einen Kommentar

Herbst in Südtirol und eine wärmende Tiroler “Gerschtsupp”

Ich finde immer: Sobald die Uhren auf die Winterzeit umgestellt werden, geht es schnurstraks auf den Winter zu. Das letzte Ferienwochenende der Herbstferien haben wir deshalb in Südtirol verbracht. Die Idee war schon auf der Rückreise von unserem Sommerurlaub entstanden. Das kleine Hotel, das wir für unseren Zwischenstop in Sterzing ausgesucht hatten, hat uns im Juli so gut gefallen, das wir dort jetzt direkt einen kleinen Herbsturlaub verbracht haben (und haben für den Winter auch schon wieder gebucht…)

Wir wurden so herzlich empfangen, dass es sich fast wie Heimkommen anfühlte. Außerdem hatten Waltraud und Rony geduldig all die Päckchen für uns gelagert, die im Vorfeld aus dem südlicheren Italien für uns eingetrudelt waren – wir wollten diese Option ausprobieren, um Ware von unseren italienischen Lieferanten aus de Toskana zu ordern, ohne jedesmal von Deutschland aus eine Spedition beauftragen zu müssen. Auch das hat völlig problemlos geklappt und wer uns auf Facebook liest, hat vielleicht meinen Post mit den vielen Paketen gesehen, die dann in unser Auto gewandert sind.

Das Wetter war sehr gemischt und von Sonnenschein bis Schnee war eigentlich alles dabei. Am Sonntag hat es richtig geschneit, am Samstag dafür in Strömen geregnet.
Von Sterzing aus sind wir über den in dichtem Nebel liegenden Jaufenpass gefahren und haben einen Ausflug nach Meran gemacht, wo wir die ersten Röst-Kastanien gegessen haben – ich liebe sie…

Außerdem sind wir – trotz Regen – viel mit den Hunden spazieren gegangen.

Kulinarisch ist Südtirol natürlich eine Offenbarung, allerdings auch sehr fleischlastig, was für uns vegatarisch/vegan Orientiere nicht ganz einfach ist. Insofern haben wir ganz schön viel „gesündigt“, aber wo es geht auch Sachen ausprobiert, die ohne oder mit wenig Fleisch auskommen.

Das Arbor kannten wir schon vom Sommer (und gefällt uns nach wie vor sehr gut), den Pretzhof konnten wir diesmal endlich besuchen, nachdem mehrere Anläufe vorher gescheitert waren. Wir sind froh, dass wir es immer wieder versucht haben, denn das war eine absolute Entdeckung.

In Meran waren wir bei Seibstock, einem Feinkosthandel und haben im Keller wunderbar gegesssen. Als wir ankamen (so gegen 14 Uhr) flaute der große Mittagsansturm schon ab und wir mussten nicht allzu lang auf unser Essen warten. Ich habe mich gefreut, bei Seibstock unter anderem unseren Balsamicoessig zu entdecken (allerdings ein erhebliches Stück teurer als bei uns…) und auch das Meersalz, nach dem Boris so lange recherchiert hat, um die bestmögliche Qualität für die großen Gebinde ausfindig zu machen, hat Seibstock im Sortiment. Und wenn ein traditionsreicher italienischer Feinkost-Handel diese Produkte anbietet, ich denke, dann will das schon was heißen, oder? Grade beim Salz habe ich mich gefreut, denn es gibt ja eine Fülle von Angeboten und Boris hat viel Zeit in die Suche investiert.

Dass man bei Seibstock im Keller sitzt, war bei dem nasskalten Wetter völlig egal und das Ambiente ist sehr nett. Boris isst in Südtirol leidenschaftlich alles, was mit Käse gefüllt ist (meist Tortelloni aus Kartoffel- oder Weizenmehl), ich probiere gerne die verschiedenen Risotti – hier eines mit Taleggio und Birnen mit einer Rotweinreduktion.

Zuhause gleich am ersten Abend nachgekocht habe ich eine Gerstensuppe, die es in Südtirol in jedem Gasthaus gibt und die ich ganz toll finde. Allerdings habe ich keine Gerste verwendet, sondern unserem Farro (Dinkel), der sich wirklich als Allround-Talent entpuppt.

Calas ganz simple Dinkelsuppe

Traditionell gehört in die “Gerschsupp” Speck. Auch ich verwende ein winziges Stück Tiroler Speck zum Anbraten. Nachdem ich überall herumgefragt habe und immer auf Kopfschütteln stieß, habe ich tatsächlich eine kleine alteingesessene Metzgerei in Sterzing gefunden, die noch Schinken von einheimischen Schweinen herstellt – ansonsten werden in Südtirol werden ansonsten überwiegend deutsche Schweine verarbeitet – was für ein Blödsinn. (Ganz schlimm ist es – aber das weiß sicherlich inzwischen jeder – beim Parmaschinken, für den die Schweine quer durch Europa gekarrt werden und den man guten Gewissen wirklich überhaupt nicht mehr kaufen kann). Wer die Gerstensuppe nachkochen will, kann bei uns auf dem Wochenmarkt mal bei den Wildhändlern nachfragen: manche bieten noch luftgetrockneten oder geräuchtern Wildschwein-Speck an.

Zutaten (für 1 Portion)
ca. 30g Speck, in ganz feine Würfel geschnitten
ca. 60g Farro
eine kleine Karotte
Salz, Pfeffer
heißes Wasser, Fleisch- oder Gemüsebrühe nach Geschmack
(ich esse die Suppe am liebsten, wenn Sie nur mit Wasser gekocht wird)

Karotte schälen und in kleine Würfel schneiden. Den Speck in einem Topf mit schwerem Boden auslassen, dann die Karottenwürfel hinzugeben und anbraten. Farro waschen und ebenfalls anbraten. Heißes Wasser (oder Brühe) angießen (zwei- bis dreimal so viel wie Farro). Aufkochen, dann auf kleinster Stufe ca. 30 Minuten köcheln lassen, bis der Farro sehr weich ist. Dazu schmeckt ein grüner Salat.

Und hier noch ein Rezept, dass ich mir von einer Südtirolerin habe diktieren lassen und das sicherlich sehr mehr am Original orientiert ist. Auch das schmeckt ganz sicher prima mit Farro statt Gerste (unser Farro ist auch bereits geschält, muss also nicht eingeweicht werden).

Südtiroler “Gerschtsupp” (Rezept für ca. 4 Portionen)

Zutaten
1 mittelgroße Zwiebel
120g gemischtes Gemüse bestehend aus Karotten, Kartoffeln, Knollen- und Staudensellerie
ca. 100g geräucherten Speck
ca. 100g Gerste (ungeschälte Gerste muss vorher ca. 2 Stunden in Wasser eingeweichte werden)
etwas Butter zum Anschwitzen (ich würde Ghee verwenden)
ca. 2 Liter Fleisch- oder Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer
zum Servien eventuelle etwas Schnittlauch oder Petersilie

Zubereitung:

Zwiebeln, Karotten, Knollen- und Staudensellerie waschen und putzen, dann fein würfeln. Die Zwiebel in der Butter goldbraun anschwitzen, das Gemüse und die Gerste hinzugeben. Unter Rühren andünsten. Brühe angießen, Lorbeerblatt hinzugeben. Aufkochen, dann ca. 1 Stunde auf kleiner Hitze köcheln lassen. Inzwischen die Kartoffel schälen. Speck und Kartoffeln ebenfalls in kleine Würfel schneiden. Beides zur Suppe geben und weitere 20 Minuten köcheln. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wer möchte kann die Suppe mit Schnittlauch oder Petersilie servieren.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.