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Ein Vierteljahr veganes Leben – eine kleine Bilanz und ein paar unserer Lieblingsrezepte

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In etwa seit einen Vierteljahr leben wir jetzt vegan. Alles in allem ist die Bilanz absolut positiv.

Ich persönlich habe das Gefühl, dass ich mehr Energie habe und weniger Schlaf brauche, mich auch insgesamt gesünder und fitter fühle. Das hat sich noch verstärkt, seit ich begonnen habe, darauf zu achten, abends möglichst nach 19 Uhr/19:30 Uhr nichts mehr zu essen. Mein Osteopath hat mir dazu geraten und mir erklärt, dass bestimmte Hormone, die zur nächtlichen Regeneration des Körpers wichtig sind, nicht ausgeschüttet werden, solange der Körper mit Verdauungsprozessen beschäftigt ist. Und siehe da, seit ich diesen Rat beherzige, schlafe ich (noch) besser und habe auch keine Magen- und Darmbeschwerden mehr.

Sehr herausfordernd finde ich das vegane Verreisen. Während es in Deutschland für mich überhaupt kein Problem ist, vegan unterwegs zu sein (praktisch in jedem Restaurant wird man zuvorkommend, oft sehr kreativ und fast immer rücksichtsvoll bedient), finde ich es im Ausland oft noch schwierig. Belgien war eine Katastrophe – hier stehen schon vegetarische Gerichte nur in ganz seltenen Fällen auf der Speisekarte, Veganes ist aussichtslos zu bekommen und in den Cafés gibt es nicht einmal Sojamilch. Für Italien befürchten wir Ähnliches, weshalb wir unsere Sommerpläne entsprechen ausgerichtet und Ferienwohnungen gebucht haben, in denen wir selber kochen können.

Und auch das ist interessant für mich: Während wir uns im Januar/Februar noch sicher waren, dass wir im Italienurlaub keinesfalls auf unsere geliebten Restaurantbesuche verzichten wollten und sicherlich die vegane Ernährung hintenanstellen würden, sind wir inzwischen sehr entschieden, tierische Produkte weiterhin zu meiden und darauf eingestellt, selbst zu kochen. Den Sonnenuntergang auf unserer Lieblingsterrasse in Pienza werden wir dann statt beim Essen einfach bei einem Glas Wein genießen. Wobei wir uns allerdings nach wie vor ein „Hintertürchen“ offenhalten: wenn der Wunsch nach einem Risotto, einer Pasta mit Pecorino oder einem Fischgericht im Urlaub allzu groß werden sollte, werden wir uns nicht kasteien, sondern dem auch nachgeben. Mit diesem „Joker“ in der Hinterhand sind wir bisher ganz gut gefahren und haben ihn bisher nie gebraucht – selbst in Brüssel nicht, wo wir mit hängendem Magen von Restaurant zu Restaurant gelaufen sind und den Leuten auf die Teller geschaut haben.

Zum meinen absoluten Lieblingsrezepten gehört nach wie vor der Spargel-Quinoa-Salat, den ich schon gepostet habe (hier). Aber auch diese Avocado-Nuss-Creme liebe ich und nehme sie oft mit wenn ich unterwegs bin:

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Zutaten:
Macadamia Nüsse
Kürbiskerne (ich verwende die gerösteten und gesalzenen Kürbiskerne von Fandler)
Sonnenblumenkerne
Avocado-Fruchtfleich
Salz, Pfeffer, Zitronensaft

Macadamia Nüsse, Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne zu gleichen Teilen vermahlen. Mit Avocado-Fruchtfleich zu einer Creme pürieren und mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Schmeckt ganz hervorragend zu einen kräftigen Roggenbrot.

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Natürlich diskutieren auch wir viel und erklären den Menschen, warum wir nicht befürchten, an Nährstoffmangel zu sterben und dass wir tatsächlich glauben, dass das Essen von tierischen Produkten nicht nur amoralisch und ethisch verwerflich, sondern auch ungesund ist. Aber insgesamt finde ich, dass ehrliches Interesse und Neugier überwiegen und ich treffe auf erstaunlich viele Menschen, die selber mit einer veganen Lebensweise zumindest liebäugeln und insofern oft sogar von eigenen Erfahrungen und Gedanken zum Thema berichten können. Ich treffe nur wenige, die sich mit der Thematik noch nie auseinadergesetzt haben.

Der schönste Witz zum Thema ist mir neulich irgendwo auf Facebook begegnet – ich gebe ihn in meiner eigenen freien Übersetzung wieder:

„Wenn ich gefragt werde, ob ich als Veganer genug Proteine bekomme, antworte ich, dass mein Körper gelernt hat, blöde Fragen in hochwertige Aminosäuren umzuwandeln und bedanke mich für die gehaltvolle Mahlzeit.“ 🙂

Dieses Nudelgericht mögen wir sehr und haben es auch bei unserem veganen Tasting Anfang Mai gekocht – es lässt sich praktisch mit jedem Gemüse abwandeln, Basis ist immer die Cashew-Creme:

Pasta mit Spargelstreifen und Cashew-Sahne

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Zutaten (pro Portion)
für die Cashew-Sahne:
ca. 2 EL Cashew-Mus (ich schwöre auf das Cashew-Mus von NaturARTen, hier)
Salz, Pfeffer, Hefeflocken
weitere Zutaten:
Pasta nach Wunsch
2-3 Stangen Spargel
1 Zehe Knoblauch
etwas Lauch
Zitronenzesten, Muskatnuss, Salz und Pfeffer
Olivenöl

Für die Cashew-Sahne pro Portion ca. 2 EL Cashew-Mus mit 1 EL Wasser verrühren. Mit Salz, Pfeffer und einer großen Prise Hefeflocken würzen.

Pasta nach Packungsanweisung in Salzwasser garen.

2-3 Stangen Spargel waschen und mit einem Sparschäler in Streifen schneiden. Pro Portion 1 Zehe Knoblauch in Scheiben schneiden und in etwas Olivenöl vorsichtig anbraten. Eine kleine Stange Lauch waschen, in Streifen schneiden und dazugeben. 3-4 Minuten schmoren, dann die Spargelstreifen dazugeben und kurz mitschmoren. Etwas heißes (!) Wasser  angießen, aufkochen, 1-2 Minuten köcheln lassen, dann die Cashewsahne unterrühren. Kurz aufkochen, dann etwas eindicken lassen. Mit Zitronenzesten, etwas Muskatnuss, Salz und Pfeffer abschmecken.

Sobald die Pasta gar ist, diese durch ein Sieb abschütten, etwas abtropfen lassen und dann unter die Sauce heben. Auf einem Teller anrichten und mit etwas Olivenöl beträufeln.
Wer möchte, kann parallel noch ein paar grüne und weiße Spargelstücke kochen und diese vor dem Servieren auf der Pasta anrichten.

Tipp: Noch besser als Lauch (allerdings selten zu bekommen) schmeckt der Lauch vom Knoblauch, den man in Ringe schneidet (dann natürlich den restlichen Knoblauch und den Lauch weglassen). Diesen frischen Knoblauch mit Grün bekommt man jetzt zu dieser Jahreszeit oft an den Bioständen auf dem Markt (bei uns z.B. bei Querbeet und am Dottenfelder Hof).

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Und was sagt Boris nach diesem Vierteljahr?
Ich habe ihn gefragt und das hat er geantwortet:

„Vegan für immer?  – zu 99%. Ich fühle mich einfach sehr viel besser, vor allem wacher, seitdem ich auf Milchprodukte verzichte. Ich habe außerdem das Gefühl, dass sich mein Geschmackssinn verfeinert hat. Vielleicht weil die vegane Küche nicht die vordergründigen Sensationen bietet, die ein kräftiger Käse, eine Auster oder eine gut gewürzte Bratwurst auf den Teller bringen. Diese drei Dinge ausgenommen, empfinde ich die vegane Ernährung auch nicht als andauernden Verzicht. Durch die intensivere Beschäftigung mit den Dingen, ihren Inhaltstoffen und ihrem Geschmack ist das Kochen auf jeden Fall eine Bereicherung und auch jedem weiterhin omnivor lebenden Menschen zu empfehlen. Auch die vielen Lebensmittel, die man allein auf der Suche nach neuen Eiweißquellen entdeckt hat, machen neugierig und es ist sehr spannend, Rezepte und neue Kombinationen zu entdecken. Das heißt nicht, dass mir einige tierische Lebensmittel (siehe oben) nicht fehlen würden und ich gebe zu, dass es an manchen Tagen schwer ist, an einem Bratwurststand oder dem Käsewagen auf dem Markt vorbeizugehen. Hier hilft jedoch die Vergegenwärtigung des veganen Mantras, dass die fünf Minuten meines kulinarischen Genusses das lebenslange Leid, oder den Tod vor der Zeit, der von mir verspeisten Kreatur, bzw. ihres Produkts nicht aufwiegen. Und die 1% Restrisiko beziehe ich im Moment noch aufs Reisen – es fällt mir einfach noch schwer mir vorzustellen, 2 Wochen durch Italien oder Frankreich zu reisen, ohne ein Stück Käse oder eine gegrillte Meeresfrucht probiert zu haben. Aber genau das werden wir in diesem Sommer ausprobieren.“

Auch Boris kocht ab und zu – für sich selbst ohnehin, aber manchmal auch für uns beide. Besonders lecker schmecken mir seine „Tofu-Nuggets“:

Boris’ Tofu-Nuggets („Tempeh-Taler“)
nach einer Inspiration aus dem Peace-Food-Kochbuch von Ruediger Dahlke

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Zutaten (für 2-3 Personen)
1 Rolle Tempeh
2 Tassen Cornflakes
Mehl, Gewürze

Die Tempehrolle in ca. 8 mm dicke Scheiben schneiden.

In 200 ml Wasser nach und nach so viel Mehl geben, das ein zähflüssiger Teig entsteht. Diesen Teig kann man nun nach Belieben würzen. Pfeffer und Salz sind Pflicht, indische oder mediterrane Gewürze geben dem ganzen hinterher die entsprechende Note, müssen aber nicht sein.

Cornflakes mit der Hand oder der Küchenmaschine nicht zu fein zerbröseln und in eine flache Schüssel oder einen Teller geben.

In einer Pfanne reichlich Öl zum Braten (wir nehmen Kokosöl) erhitzen.

Sobald das Öl heiß genug ist (an einem in das Öl getauchten HOLZstäbchen müssen Blasen aufsteigen), die Tempeh-Scheiben erst in das Wasser/Mehl/Gewürzgemisch tunken, danach in den Cornflakes-Bröseln wenden und vorsichtig ins heiße Öl gleiten lassen. Ca. 3-4 Minuten frittieren/braten, dann vorsichtig wenden und auf der anderen Seite noch mal 3-4 Minuten frittieren/braten. Sobald die Tempehtaler Farbe angenommen haben, aus dem Öl nehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Wir essen die Tempeh-Taler gern zu grünem Salat, haben, haben sie aber auch schon – asiatisch gewürzt – mit Reis und Gemüse gegessen (Foto oben).

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Auf allen Messen zeichnet sich übrigens ein ganz klarer Trend hin zur veganen Ernährung ab –  es ist überall das Thema Nr. 1. Insofern glaube ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser neue Lebens- und Ernährungsstil überall durchsetzt. Und umso mehr Menschen vegan leben (wollen), desto mehr Produkte und Rezeptideen wird es geben, auch wunderbare, gesunde Alternativen zu Bewährtem – es ist schön, das zu beobachten.

Allein in der kurzen Zeit, in der wir uns mit dem Thema beschäftigen, wurden einige vegane Cafés oder Restaurants in unserer Umgebung neu eröffnet, wurden zig Speisekarten in vielen Restaurants, die wir kennen, angepasst und umgestellt, haben wir unzählige Tipps bekommen, sehr viel Neues kennen gelernt und uns mit interessanten Gruppen und Menschen vernetzt – eine absolute Bereicherung in vielerlei Hinsicht. Facebook ist in dieser Hinsicht zur Abwechslung mal eine echte Bereicherung.

Insofern sind wir ablsotut zufrieden mit unserem neuen Lebensstil und möchten ihn nicht mehr missen.

Zum Schluss habe ich noch ein sehr leckeres „Pralinen“-Rezept für euch, das aus der „Eiweiß-Not“ heraus entstanden ist und somit ein wunderbares Alibi liefert – es besteht im Wesentlichen aus Kürbis- und Sonnenblumenkernen (als Eiweißlieferanten):

Calas Kürbiskernpralinen

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Zutaten (für ca. 6-8 Pralinen)
Je 2 EL Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne
2-3 Datteln
Kakaopulver
1-2 TL Kokosöl

Sonnenblumen- und Kürbiskerne fein vermahlen, dann mit den Datteln und etwas Kokosöl zu einer glatten, formbaren Masse pürieren. Zu Kugeln formen und in Kakaopulver wälzen.

Alternativ kann man die Kugeln auch mit Feigen machen – dann sind sie etwas weniger süß.

Tipp: Echter, hochwertiger Kakao (in Rohkostqualität!) ist ein sehr wertvolles und gesundes Lebensmittel – er ist eines der seltenen Lebensmittel die das wertvolle Resveratol enthält. Wir verwenden (und verkaufen im Shop) den Kakao von FloresFarm. Ebenfalls interessant für das oben genannte Rezept ist das MakaoPulver von PureRaw, das neben Kakao z.B. auch noch Maca, Lucuma und Carob enthält.

 

Euch noch viel Spaß beim Experimentieren – nutzt die Kommentarfunktion, wenn ihr eure veganen Lieblingsrezepte teilen möchtet. Ihr lebt vegan und möchtet einen Gastbeitrag schreiben oder ein Interview machen? Meldet euch gern!

Liebe Grüße
Cala

7 Kommentare

  1. Sabine Metzger sagt

    Hallo Cala,
    sehr interessanter Artikel! Das Rezept mit Spaegel und Cashew-Sahne werde ich definitiv probieren.
    Ich liebe Joghurt, Kuh oder noch lieber Schaf. Ich habe dafuer noch keine ansprechend aussehende und lecker schmeckende Alternative gefunden. Die üblichen Soja-“Joghurts” ( Sodade usw.) habe ich schon probiert…
    Hast Du einen Tipp?
    Viele Gruesse Sabine

    • Cala sagt

      Hallo Sabine,
      da muss ich leider passen: ich selbser liebe die Sojade und esse sie schon lange genauso gern oder sogar lieber als Joghurt von Kuh, Schaf oder Ziege (schon vor dem veganen Leben). Insofern kenne ich auch kaum Alternativen. Letztendlich – das ist meine Erfahrung – ist es auch kaum möglich, diese veganen Produkte mit nicht-veganen zu vergleichen. Geschmacklich gibt es definitiv einen Unterschied, ich glaube, das kann auch niemand bestreiten. Was aber nicht heißen muss, dass man sich nicht trotzdem gut mit den Alternativen arrgangieren kann. Ich finde z.B. dass Sojacreme mit Schnittlauch oder in der grünen Soße kaum noch von Kuhmlich-Produkten zu unterscheiden ist. Aber was deine Frage betrifft, habe ich leider ad hoc keinen brauchbaren Tipp – meine Empfehlung wäre die Sojade gewesen…
      Liebe Grüße
      Cala

    • Anette Kleszcz-Wagner sagt

      Liebe Sabine,
      ich mag den Sojade Joghurt zwar sehr, wollte aber weniger Soja-Produkte zu mir nehmen und habe im Internet Rezepte entdeckt, aus Pflanzenmilch Joghurt selbst zu machen. Zuletzt ausprobiert: Joghurt aus Kokos- und Mandelmlich, aus dem kann man dann auch wieder (à la Cala) einen Frischkäse zubereiten. SUPER! Joghurt selbst zu machen, ist gar nicht so schwer. Und hat auch noch den großen Vorteil, weniger Müll zu produzieren …
      Viele Grüße
      Anette

      • Cala sagt

        Hallo Anette,
        das muss ich unbedingt auch ausprobieren, werde mich demnächst mal näher mit dme Thema beschäftigen – vielen lieben Dank, dass du immer wieder solche Infos hier weitergibst!
        Liebe Grüße
        Cala

  2. Barbara Dornig sagt

    Es ist wirklich eine Veränderung des Geschmacksempfindens. Pur – also ohne alles – schmeckt mir die Sojade auch nicht besonders. Ich nehme sie ins Birchermüsli, gebe sie zu Obst und Nüssen. Und jetzt noch schnell ein Rezept (von meiner 84jährigen Mutter, die mein veganes Experiment misstrauisch beobachtet und mich bei jedem Infekt darauf hinweist, dass das nur von meiner “Mangelernährung” kommt…):
    Geröstete Soja-“Nüsslis”:
    Sojabohnen über Nacht einweichen und trocknen lasssen. Dann mit etwas Olivenöl, Salz, Pfeffer und Deinem Lieblingsgewürz mischen und auf dem Backblech ca.20 Minuten rösten, dabei mehrmals wenden.
    Mittlerweile liest meine Mutter meine veganen Kochbücher, stöbert im Netz und findet das gar nicht so schlecht … 🙂
    Ein bisschen seltsam finde ich die teilweise hämischen Kommentare meiner Mitmenschen (bei meiner Mama ist es ja die Sorge um meine Gesundheit), wenn ich von einem Gericht einen Löffel probiere (das kann ich nun einfach nicht lassen): “Das darfst Du doch nicht essen!” Ich bin 58 Jahre alt, ich darf das, und ich esse, was ich will. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, einfach nicht mehr drüber zu reden. Zumindest mit den Menschen, die doof und ignorant sind. Einen sonnigen Tag Euch Lieben!

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